Sucht man in den sozialen Medien nach dem Schlagwort Skizzenbuch, bekommt man all diese wunderschönen und vermeidlich perfekten Seiten angezeigt, die Künstler malen und zeichnen. Geben wir Skizzenbuch in die Suchmaschine, kriegen wir Vorschläge wie "Dein perfektes Skizzenbuch" oder "Skizzenbuch füllen in zwei Wochen". Das macht schnell Druck und hält eher davon ab, mit einem Skizzenbuch zu starten. Besonders lustig fand ich die Ki-Bilder zum Thema Skizzenbuch. Ich würde sagen: Thema dezent verfehlt.
Einfach starten
Wie Dori aus Findet Nemo schon "einfach schwimmen" vor sich her sang, wollen wir "einfach kritzeln". Ein neues Skizzenbuch heißt erstmal viele leere, weiße Seiten. Wo fängt man an, was soll man zeichnen? Am besten du startest mit einfachen Motiven. Simple Formen, Gegenstände oder einfache Tiere sind gut zu zeichnen, und bitte ohne den Anspruch auf Fotorealismus. Lockere Doodles machen eh viel mehr Spaß. Monster eignen sich besonders gut zum kritzeln, da sie keine klar definierte Form haben. Auf Blogs und YouTube gibt es jede Menge Anleitungen, wie du simple Dinge zeichnest. Auch auf meinem Blog findest du ein paar Anleitungen zum Zeichnen lernen. Hast du Angst die erste Seite zu versauen, kannst du auch einfach in der Mitte des Buches starten, das kann helfen den Druck raus zu nehmen. Auch kopieren und nachzeichnen sind eine gute Übung. Hier eignen sich "draw this in your style"- Motive oder Fanart von deinem Lieblingsfilm. Bist du doch mal todunglücklich mit einer Seite, dann zeichne oder male etwas und überklebe die Seite damit.
1. Frag dich mal warum!
Zeichnen lernen zu wollen kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht möchtest du ein neues Hobby starten, suchst Entspannung in deinem Alltag oder hast früher gern gezeichnet und möchtest jetzt wieder damit anfangen. Vielleicht magst du aber auch einfach nur das Geräusch wenn ein Stift übers Papier kratzt. Erinnere dich an dein Warum, wenn du vermeidlich wieder mal keine Zeit für deine Hobbys findest.
2. Regelmäßig zeichnen
Um Zeichnen zu lernen, sollte man es regelmäßig üben. Gerade am Anfang ist wichtig die Hand zu trainieren. Mach dir dabei aber nicht zuviel Druck. Um wirklich gut zeichnen zu können, braucht es mehrere Jahre Übung. Klingt erstmal demotivierend, aber wenn du richtig Bock hast, lohnt es sich. Außerdem wirst du gerade im ersten Jahr schnell Fortschritte sehen. Ein Plan wann und wie oft du zeichnen möchtest, kann dir helfen eine Routine aufzubauen. Ob du dann täglich oder wöchentlich zeichnest, entscheidest du. Nimm dir bewusst Zeit dafür. Oft müssen wir Prioritäten verschieben und können so Zeit und Raum für ein Neues Hobby schaffen.
3. Zeug kaufen
Gönn dir schöne und gute Stifte. Es müssen nicht gleich alle Farben sein. Ein weicher Bleistift, einen Fineliner und eine Hand voll verschiedener Stifte in deinen Lieblingsfarben reicht völlig aus. Auch ein hübsches Mäppchen kann deine Motivation steigern. In ein schönes Skizzenbuch zu zeichnen kann manchmal die Hemmschwelle erhöhen. Ein einfaches, schwarzes Buch, aber mit Mixedmedia Papier und einer Papierstärke von 180g ist prima. Es reicht aber auch manchmal das Notizbuch, was eh schon seit ein paar Jahren rumliegt.
4. Deine Zeitreise
Ein Skizzenbuch kann wie eine kleine Zeitreise sein. Vielleicht führst du das Skizzenbuch wie ein Tagebuch, nimmst es mit auf Reisen oder dokumentierst zeichnerisch die Entwicklung deines Kindes. Wenn du deine Skizzenbücher später zur Hand nimmst, kannst du in Erinnerungen schwelgen. Außerdem lässt sich in einem Skizzenbuch gut dein persönlicher Fortschritt beobachten. Vergleich dich nicht mit anderen, sondern mit dir selbst vor einem Jahr.
5. Trau dich
Experimentiere, Kleckse rum, Kritzel, Krakel und mach Flecken. Ein Skizzenbuch ist dafür da, dich kreativ auszutoben, nicht um schicke Doppelseiten auf Instagram zu posten.
Meine Skizzenbücher
In der Berufsschule musste ich ein Skizzenbuch führen und jede Woche ein Stillleben zeichnen. Manche Leute lieben es, für mich war es stinklangweilig. Trotzallem half es mir eine Routine zu entwickeln und besser zu werden. Nach der Schule vergingen dann aber über 10 Jahre, bevor ich wieder anfing ein Skizzenbuch zu führen. Diesmal in meinem Stil, ohne Stilleben und so wie ich es wollte. Bevor ich Illustratorin wurde, habe ich geübt. Vier, fünf oder sechsmal die Woche. Vergleicht man die Zeichnungen auf der ersten Seite mit denen auf der letzten sieht man schon einen Unterschied. Zieht man dann noch ein Skizzenbuch von heute, 10 Jahre später dazu, sieht man deutlich den Prozess.
Heute führe ich noch gern Skizzenbuch. Allerdings nicht ganz so häufig wie früher. Da ich fünf Tage die Woche beruflich zeichne, habe ich oft keine Lust noch ins Skizzenbuch zu kritzeln. Ich mache mir aber auch keinen Stress damit. Mein Skizzenbuch soll Spaß machen. Ich mache darin was ich will und worauf ich Lust habe. Roboter im Zug kritzeln (ziemlich wackelig), Motive für den Adventskalender der Kinder entwerfen, einen anderen Stil ausprobieren oder kopieren, neue Stifte testen. Mein Skizzenbuch ist nicht schick und stylisch, und neulich ist sogar noch Wasser drüber gelaufen, dafür ist es voller kreativer Ideen, Notizen und Kritzeleien. Ich kann nicht alle Bilder aus meinem Skizzenbuch zeigen, aber hier gibts einen kleinen Einblick. Dabei sind Zeichnungen die ich sehr gern mag und auch welche die ich nicht so gelungen finden. Aber genau das macht ein Skizzenbuch eben aus.
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